Wenn man aus der Googleperspektive auf den kleinen Fleck Erde zwischen Gernach, Oberspiesheim, Unterspiesheim und Grettstadt schaut, dann ahnt man die solide Art der hiesigen Menschen zu wirken und zu schaffen. Die Menschen hier leben von Landwirtschaft und der nahegelegenen Industrie. Große wohlgeordnete Ackerflächen zeugen von der früheren Prägung und der Erdgebundenheit der Menschen. In Unterspiesheim und Oberspiesheim sind die Straßen und Plätze weit und breit angelegt - als ob man noch eine zweite Reihe Häuser einfügen möchte. In Grettstadt bilden Rathaus und Kirche eine derartig enge Einheit, dass es leicht ist an eine große Nähe von Kommune und Kirche zu glauben. Nur Gernach, das früher von Kloster Heidenfeld mitversorgt wurde, ist ein wenig anders und kompakter angelegt. Aus der Googleperspektive schaut auch der Patron der hier gegründeten Pfarreiengemeinschaft auf das Gewusel und Getreibe der Menschen, die hier leben, lieben und manchmal auch leiden.
St. Raphael, der treue Wegbegleiter und heilkundige Bote Gottes soll, so wollten es die Gläubigen der vier Ortschaften, fürderhin Anwalt und Fürsprecher für die Pfarreiengemeinschaft sein bei Gott. Dabei ist es kein klassischer Heiliger, den sich die vier Gemeinden 2009 zum Patron gewählt haben: Schließlich ist der Erzengel Raphael kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern er schwebt etwas über den Dingen. Wobei, abgehoben ist er ganz und gar nicht, kommt er doch in der Bibel eher als sehr bodenständig daher, wenn er etwa Rat und Heilung weiß bei einem Augenleiden. Das Buch Tobit im Alten Testament erzählt von Raphael, der als ein Bote Gottes zu den Menschen kommt und ihnen Schutz und Segen von oben vermittelt. Der junge Tobias macht sich nämlich auf den Weg, um seine Familie aus einer Notlage zu befreien. Raphael gesellt sich völlig unerwartet als kundiger Wegbegleiter zu ihm und lässt Tobias darauf vertrauen, dass seine Mission Erfolg haben wird. Ganz nach dem Psalmwort „Ich fühle mich geborgen im Schatten deiner Flügel“ ergeht es Tobias, der mit Mut und Entschlossenheit seine Aufgaben bewältigt. Auch für uns vermag der Engel Raphael, der zusammen mit Michael und Gabriel zu den biblischen Erzengeln zählt, Einiges parat zu halten: Er will uns versichern, dass wir getragen und begleitet werden, auch wenn wir es nicht erwarten. An ein gutes Ende zu glauben, auf eine „Happyend“ zu hoffen, ist ja keine Kunst, wenn es einem gerade gut geht. Raphael will uns zeigen, dass es trotzdem Sinn macht, auf den Segen Gottes zu setzen, auch wenn einem gerade nicht der Sinn danach steht. Engel kommen manchmal ganz leise und unbemerkt daher – vielleicht erleben auch wir hin und wieder eine solche Erfahrung, dass uns der Weg klar wird, dass sich vor uns ein Weg auftut. Wir jedenfalls wünschen Ihnen viele solcher Erfahrungen! Und schließlich nochmal zu Google Earth zurück: Aus himmlischer Perspektive wird manches relativiert, was uns umtreibt und bewegt. Und dennoch sind die Anliegen, Sorgen und Freuden der Menschen echt und ernst. Ihr Stolz darauf auf ihre Art ihr Leben anzupacken ist überall zu spüren. Sie sollen im Folgenden zu Wort kommen und ein wenig von dem berichten, was ihnen in ihren einzelnen Gemeinden wichtig und wertvoll erscheint.
- Hier folgen demnächst Beiträge der vier Gemeinden -
Kirchenführer Sankt Sebastian
Kirchenführer Sankt Bartholomäus
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